“So profitieren Sie von der Euro-Krise”

9 05 2010

Sehr geehrte SpiegelOnline-Redaktion,

finden SIE es nicht geschmacklos einen solchen Artikel derzeitig (und auch sonst) zu veröffentlichen?

Der Spiegel und SpiegelOnline stehen ganz vorne, wenn es darum geht, die Spekulanten und die Angriffe auf die europäische Währung zu geißeln. Dabei ist regelmäßig der Tenor, dass Griechenland zwar überschuldet ist, die wirklichen Gründe lägen aber in Computertransaktionen im Finanzmarkt, Spekulanten, die über komplizierte Leergeschäfte und mit Wetten auf Insolvenzen von Staaten um jeden Preis Gewinn machen wollen. Jetzt kommt auch noch SpiegelOnline als Grund hinzu.

SIE rufen nach Regulierung und eigentlich auch immer nach der Moral im Investmentbanking.  Die haben SIE schon bei den Bonuszahlungen an Manager beschworen und nun geht es darum, ob man für Gewinn Staaten insolvent werden lässt.

2001 ist Argentinien bankrott gegangen. Folgen waren massive Einschränkungen für die Menschen im Land. Es hat Jahre gebraucht bis in Argentinien wieder Ruhe und Stabilität einkehrte. Menschen verarmten und einige fielen, wie jetzt auch in Griechenland, Tumulten zum Opfer. http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2002-1.html

Wäre es jetzt nicht an der Zeit eine Moraldiskussion zu starten. Wie soll Finanzwirtschaft aussehen? Geht es eigentlich noch um Gewinn oder geht es um gerechte Verteilung? Geht es darum immer mehr Wachstum, Wachstum und nach mal Wachstum zu erreichen? Woher kommt eigentlich das ganze Geld der verschiedenen Fonds? Ist es „gut“  mit Geldern von Pensionskassen Investementbanking zu betreiben? Brauchen Rohstoffe einen (Markt-)Wert?

Man könnte die aktuellen Ereignisse nutzen um Grundsätzliches zu diskutieren. Aber nein. Spiegel Online veröffentlicht einen Artikel, der Tipps verrät, wie man aus der Krise Profit schlagen kann. Der/Die Leser/Leserin soll (sofern er/sie aktiv ist auf dem Finanzmarkt) teilweise aus dem Euro austeigen und breit in andere (Rohstoff-)Währungen investieren und in Rohstoffe selbst.

Das hat zwei zentrale Wirkungen:

1. Der Euro wird weiter in die Abwertung getrieben, weil  SIE  mit ihrem Artikel dazu aufrufen, die Nachfrage zu drücken.

2. Rohstoffe werden teurer gemacht, weil SIE mir ihrem Artikel dazu aufrufen, die Nachfrage nach diesen erhöhen.

Mit diesen beiden Aufrufen ziehen SIE am selben Strang wie die Spekulanten, die SIE in ihren Artikeln kriminalisieren. SIE tragen dazu bei Rohstoffe zu verteuern. Rohstoffe sind nicht nur Öl, Gold, Platin, sondern auch Wasser, Getreide, etc., lebenswichtige Güter eben.

Sie erinnern sich vielleicht an die Krise auf dem Markt für Maispreise 2007 in Mexiko.  Dort haben auch nur einfach mehr Menschen Geld in den Rohstoff Mais gesteckt…. zur Erinnerung: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,463602,00.html

Ich fordere SIE auf, sich als Redaktion zu positionieren. Der online gestellte Artikel „So profitieren Sie von der Euro-Krise“ vom 08. Mai 2010 sollte noch mal mit einer kritischen Reflexion des Geschriebenen auf die Startseite von SpiegelOnline gestellt werden.

Ich werde diesen Beitrag auf meinen Blog online stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Schönwetter


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2 Antworten

29 06 2010
halfjill

Hat Spiegel Online eigentlich jemals auf den Leserbrief reagiert?

29 06 2010
schoenwetter

Nee, sie haben sich nie gemeldet. Spiegel eben…

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